Harvard Zitierweise - Problem

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werdas34
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Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von werdas34 »

Hallo,

bin gerade dabei die Vorlage zu erstellen für meine bald anstehende Bachelorarbeit. (Keine Erfahrung mit LaTeX)
Einzige bis jetzt bekannte Voraussetzung ist, das man die Harvard Zitierweise nutzt.

1)
Ich habe mich am diesem Beispiel orientiert. https://tex.stackexchange.com/questions ... ystyleagsm

Wenn ich nun bei mir mit BibTex und dann mit LaTeX oder anderen Compiler das ganze kompiliere, wird im Literaturverzeichnis das richtig gesetzt. Im Text steht folgt aber nur ein ? in eckigen Klammern. [?] (Warnung: Citation 'Szyperski2002' on page 1 undefined)
Habe nun das Beispiel von oben verwendet und das selbe Problem. (Bei BibTex kommt die Meldung das Szyperski2002 kein Eintrag in der Datenbank hat..)

Muss ich was updaten, noch was machen, damit dies funktioniert? Wie löse ich das?
Hier mal der Code:

Code: Alles auswählen

\documentclass[]{scrreprt}
\usepackage{filecontents}

\usepackage{harvard}
\let\harvardleftorig\harvardleft
\newcommand\citevgl
  {\def\harvardleft{(vgl.\ \global\let\harvardleft\harvardleftorig}%
   \cite
  }

\begin{filecontents}{literatur.bib}
@BOOK{Szyperski2002,
    title = {Component Software: Beyond Object-Oriented Programming},
    year = {2002},
    author = {Clemens Szyperski},
    edition = {2},
    month = nov
}
\end{filecontents}

\begin{document}
\cite[S.~58]{Szyperski2002} \cite{Szyperski2002}

test \citevgl[S.~58]{Szyperski2002} \citevgl{Szyperski2002}

\cite[S.~58]{Szyperski2002} \cite{Szyperski2002}

\bibliographystyle{agsm}
\bibliography{literatur.bib}
\end{document}

2)
Wie kann ich die Seitenzahl im Inhaltsverzeichnis ausblenden?
Also z.B. das Inhaltsverzeichnis ist 10 Seiten lang. Dann soll auf der ersten Seite der Arbeit die Seitenzahl 11 stehen. Auf dem Inhaltsverzeichnis sollte keine Seitennummer sichtbar sein.

mfg werdas34


MoeWe
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Re: Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von MoeWe »

Bei mir funktioniert der von Dir gepostete Code.

Allerdings enthält der Code einen Syntax-Fehler: \bibliography{literatur.bib} müsste

Code: Alles auswählen

\bibliography{literatur}

sein, da \bibliography den Dateinamen der .bib-Datenbank ohne Dateiendung erwartet. Inzwischen haben aktuelle Systeme damit kein Problem mehr, aber bis vor Kurzem fand MikTeX die Datei nicht, wenn das .bib fälschlicherweise mit eingefügt wurde.

Möglicherweise geht bei Dir der Code deswegen nicht. Eventuell ist das Problem auch, dass Du schon eine literatur.bib mit anderem Inhalt in demselben Verzeichnis hast. Mit einem aktuellen LaTeX überschreibt filecontents eventuell vorhandene Dateien auch dann nicht, wenn \usepackage{filecontents} geladen wird (das Paket ist mit einem neuen LaTeX im Grunde ein Dummy-Paket ohne eigene Funktion, wenn man in der neuen LaTeX-Version vorhandene Datein überschreiben möchte, braucht man \begin{filecontents}[overwrite]{<Dateiname>} oder \begin{filecontents}[force]{<Dateiname>}). Der gezeigte Code versucht mit filecontents eine eigene literatur.bib mit dem Szyperski2002-Eintrag zu erstellen, aber wenn Dein LaTeX neu ist und literatur.bib schon vorhanden ist, dann passiert das nicht.

Was genau abläuft, kann ich mangels detaillierterer Informationen (.log- und .blg-Datei) nicht sagen.

Probier doch mal, den Code in einem neuen leeren Ordner laufen zu lassen. Wenn das immer noch nicht geht, lade die .log- und .blg-Dateien hier hoch.

Zum Verständnis, was BibTeX macht und wie das Literaturverzeichnis erstellt wird, würde ich Dir die Lektüre von https://tex.stackexchange.com/q/63852/35864 sehr ans Herz legen.


Davon ganz abgesehen würde ich, wenn die einzige Auflage "Harvard-Stil" ist, eher zu biblatex und dem authoryear-Stil greifen. biblatex ist wesentlich flexibler und einfacher anzupassen als BibTeX und kann auch vernünftig mit Unicode umgehen. Wenn Du nicht aufgrund externer Zwänge (Vorlage verwendet BibTeX, ...) auf BibTeX festgelegt bist, ist biblatex meist praktischer.

Code: Alles auswählen

\documentclass[ngerman]{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{babel}
\usepackage{csquotes}

\usepackage[style=authoryear, backend=biber]{biblatex}


\addbibresource{biblatex-examples.bib}


\begin{document}
Lorem \autocite[380]{sigfridsson}

ipsum \autocite[vgl.][12]{worman}

dolor \autocite[vgl.][]{nussbaum}

sit \autocite{geer}

\printbibliography
\end{document}

Das Dokument muss mit Biber statt BibTeX kompiliert werden (also pdfLaTeX, Biber, pdfLaTeX, pdfLaTeX), siehe https://tex.stackexchange.com/q/154751/35864 oder https://www.texwelt.de/fragen/1909/wie- ... nem-editor

Beachte, dass "Harvard-Stil" im Gegensatz zu "APA-Stil" oder "Chicago-Stil" keinen vollständig definierten Bibliographie- und Zitatstil bezeichnet. "Harvard-Stil" bezeichnet im Allgemeinen nur die Klasse der Stile, die Autor-Jahr-Zitate verwenden. (So gibt es z.B. Harvard Bath, den Harvard-Stil der University of Bath, aber auch Harvard AGPS vom Australian Government Publishing Services. Keiner der Stile kann für sich reklamieren, der Harvard-Stil zu sein.)


Deine zweite Frage hat mit Literaturverzeichnissen gar nicht so viel zu tun. Ich schlage daher vor, eine neue Frage zu stellen. Da die Antwort sehr stark von Deiner Dokumentenklasse und weiteren Einstellungen zum Thema Überschriften und Seitenstil abhängt, rate ich dringend dazu ein Minimalbeispiel zu erstellen. Sonst ist Kaffeesatzlesen angesagt.


werdas34
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Re: Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von werdas34 »

Vielen Dank für deine ausführliche Antworten.
Habe das mit Biblatex nun zum laufen gebracht. Hatte das mit Biblatex schon auf dem Schirm, aber eben nicht mit biber kompiliert. Jetzt funktioniert es so wie ich es möchte.

Die ganzen Zitierstile sind sowieso auf den ersten Blick sehr verwirrend. Im Skript stand das direkte und indirekte Zitate in Harvard-Form sein sollen. Deswegen reicht mir das. :D

Das mit dem Inhaltsverzeichnis ist nur Kosmetik. Sollte ich die nächsten Tage Zeit haben werde ich eine weitere Frage stellen mit passendem Beispiel.

Mal ne andere Frage:
Ich habe sehr wenig Ahnung von LaTeX. Und die Vorlagen von der Uni sind nicht sehr aktuell. Gibt es eine Möglichkeit meine LaTeX-Vorlage hochzuladen und einer von den Experten schaut dann drüber und beseitigt/weist auf paar mögliche Bugquellen hin?
Finde es schade das es keine zentrale Stelle gibt, die Vorlagen und passende Dokumentation anbietet. Denn diese Experten können diese Vorlagen up to date halten. Die Uni weist auf die zentrale Stelle hin und die Studenten haben mit entsprechender Dokumentation einen einfacheren Einstieg. Vorallem sind die Vorlagen aktuell.
Für viele ist die Bachelorarbeit die erste Berührung mit LaTeX. Und LaTeX lernt man nicht in einer Woche. Alleine die ganzen Packages und wie sie sich gegenseitig beeinflussen, ist eine Herausforderung für sich.


MoeWe
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Re: Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von MoeWe »

Wenn es rechtlich möglich ist, weil die Lizenz es zulässt, kannst Du die Vorlage hier hochladen. Wenn die Lizenz das nicht erlaubt (oder wenn keine Lizenz angegeben ist), dann ist es problematisch, die Vorlage überhaupt öffentlich zugänglich zu machen.

Wenn Du die Vorlage hier hochladen darfst und das tust, dann sieht sich sicher die eine oder der andere im Forum hier das an. Ob Du eine vollständige Analyse der Vorlage bekommst, hängt aber sicher auch davon ab, wie lang und komplex der Code ist.

Generell zeigt die Erfahrung hier und in anderen LaTeX-Foren, dass gerade studentische Vorlagen sich dadurch auszeichnen, dass sie von Generation zu Generation weitergegeben werden und dabei einen riesigen Haufen an Cargo-Cult-Code ansammeln. Vorlagen von der Universität können ordentlich sein, wenn sie weiter betreut werden, sonst kommt oft irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Vorlage den Uni-Vorgaben nicht mehr entspricht oder der genutzte Code veraltet und nicht mehr der dem aktuellen Stand der Dinge entspricht. Oftmals sind Vorlagen nur genau solange nützlich, wie sie nicht angepasst werden müssen. Wenn man Dinge ändern muss, fällt das Kartenhaus oft schnell in sich zusammen.

Es gibt schon einige Internetseiten, auf denen sich Unmengen an LaTeX-Vorlagen finden lassen, aber ich habe sehr meine Zweifel, dass die alle 'gut' sind. Ich rate da generell sehr zur Vorsicht. Das Problem ist, dass jede Uni oder noch schlimmer jeder Lehrstuhl und jeder Verlag eigene Vorgaben hat. Das führt zu einer gewaltigen Menge an Vorlagen, die es zu verwalten gibt. Das kann die kleine LaTeX-Gemeinschaft auf Dauer gar nicht leisten. Die Frage ist auch, wie viele Leute sich finden würden, das Mikromanagement und die typographischen Unsitten, die teilweise verlangt werden, für jeweils nur eine Handvoll Nutzer (wahrscheinliche ohne Bezahlung) dauerhaft aktuell zu halten. Es gibt einige Leute, die mit viel Herzblut große und nützliche Pakete geschrieben haben und seit Jahren instand halten. Das ist eine Menge Arbeit, aber man kann sich dabei motivieren, wenn man seine Kreativität und eigenen Ideen ausleben kann oder das Gefühl hat, etwas Nützliches für eine Menge Menschen zu tun. Bei der Verwaltung von Uni-Vorlagen sehe ich das zumindest für mich nicht gegeben.

Mein Gegenvorschlag ist daher: Keine sinnlosen Vorgaben vonseiten der Uni, bei denen im schlimmsten Fall minutiös eine Word-Vorlage aus den frühen 2000ern nachgebaut werden muss. Das schont Nerven auf allen Seiten. An meiner Fakultät gab es als ich meine Bachelor- und Masterarbeit geschrieben hab, fast keine formalen Vorgaben, meine Betreuerin hatte auch keine ausgefallenen oder verrückten Vorstellungen, also konnte ich ganz einfach mit gut unterhaltenen und sorgfältig dokumentierten Klassen oder Paketen arbeiten, wie ich wollte.


werdas34
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Re: Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von werdas34 »

Die Vorlage ist auf der Webseite frei zugänglich. Und sie stellt nur eine unverbindliche Vorlage dar.
Habe mal nachgeschaut: die Vorlage ist von 2012. Hat sich in den letzten acht Jahren viel getan? Zumindest die- \bf-\bftext Problemmatik ist da (und auch der Grund weshalb ich eine zentral, up to date gehaltende Vorlage befürworte.)
Ich glaube ich belass es einfach. Ich versuche die Vorlage nun auszubauen und alle Sachen die ich brauche schonmal anzutesten.
Denn die meisten Befehle, die ich brauche, sollten problemlos funktionieren: chapter, subchapter, figure, includegraphics, etc.

Oftmals sind Vorlagen nur genau solange nützlich, wie sie nicht angepasst werden müssen. Wenn man Dinge ändern muss, fällt das Kartenhaus oft schnell in sich zusammen.

Genau das meine ich. Ich habe meine Vorlage etwas umgestaltet, damit sie individueller wirkt. Aber jede Änderung die man vornimmt birgt das Risiko das alles einstürzt.

Ich würde vieles einfach standardisieren.
Mit dem Univerband reden und dann paar Vorlagen ausarbeiten (eine naturwissenschaftliche, eine geisteswissenschaftliche, etc..).
Auch Zitierstile und andere Vorgaben die sich überall unterscheiden sollten standardisiert sein.
Dann gibt es drei, vier gut dokumentierte und up to date Vorlagen.
Es gibt ja auch genug Studenten, die in den Semestern davor, bereits Hausarbeiten mit LaTeX geschrieben haben. Bzw. gar Kurse von der Uni belegt haben.
Diese können sie frei entfalten. Die zentralen Vorlagen sind für die, die zum ersten Mal was mit LaTeX machen.
Denn ich glaube, da stimmt mir jeder zu, mit Word sollte man seine Arbeit nicht schreiben (, vorallem nicht im naturwissenschaftlichen Bereich).


gast

Re: Harvard Zitierweise - Problem

Beitrag von gast »

Du darfst das gerne bei den zuständigen Stellen anregen.

Vorlagen sind übrigens bei LaTeX an erster Stelle Klassen. Ich habe meine Uni-Arbeiten damals mit KOMA-Script geschrieben. Hausarbeiten/Seminararbeiten mit scrartcl, die Abschlussarbeit mit scrreprt.

Es gibt auch einige wenige, sehr gut gepflegte und auf dem zentralen Servernetz für TeX verfügbare Uni-Klassen. Allen voran das auf KOMA-Script basierende tudscr oder tuda-ci, die beide von Leuten gepflegt werden, die tatsächlich Ahnung von LaTeX haben und nicht von irgendwelchen Studenten höherer Semester, die allenfalls über mäßiges Halbwissen verfügen und eigentlich auch nur irgendwelche über Jahrzehnte gewachsene Vorlagen weiter verschlimmbessern.


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