Wechsel von Jurabib auf biblatex: Offene Fragen

Erstellung eines Literaturverzeichnisses mit BibTeX, Biber, BibLaTeX und Co.
discipulus
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Wechsel von Jurabib auf biblatex: Offene Fragen

Beitrag von discipulus »

Aufgrund zumindest für mich nicht lösbarer Probleme mit jurabib überlege ich, von dort auf biblatex zu wechseln. Meine Bibliographie muß äußeren Vorgaben (Uni) genügen, außerdem benötige ich ein paar Features, damit ich meine bisherigen Datenbanken weiter nutzen kann. Bei fast allem, was für mich wichtig ist, habe ich bereits gesehen, daß es möglich ist, Folgendes aber habe ich nicht gefunden bzw. zu folgenden Punkten sind die Aussagen widersprüchlich:

  1. Ich werde wohl einen Stil verwenden, der auf verbose-idem basiert. Ich benötige aber die Möglichkeit, das Ibidem in Einzelfällen manuell zu unterbinden. Bei jurabib kann ich das mit \noibidem erreichen. Geht das bei biblatex auch, und wenn ja, wie? Der Befehl \noibidem funktioniert jedenfalls nicht.

  2. Gibt es bei der Verwendung von verbose-idem eine Möglichkeit dafür zu sorgen, dass "ebd." im Satz klein-, am Satzanfang großgeschrieben wird? Bei Jurabib ging das.

  3. Ich benötige für Lexikonartikel einen eigenen entry type, der auf article aufbaut, vor den Titel aber "Art." einfügt und, das ist der entscheidende Punkt, "lexart" heißt (aus Kompatiblitätsgründen; ob das aus bibliographischer Sicht sinnvoll ist, darüber läßt sich gewiß streiten, ich habe mir das nicht ausgedacht...). Spricht etwas dagegen, daß ich in einer eigenen bbx-Datei einen solchen Typ mit einem eigenen \DeclareBibliographyDriver definiere? Ich habe gelesen, daß das bei biblatex nicht gehe, aber ich sehe jetzt nicht unmittelbar, weshalb das nicht gehen sollte.

  4. Es gibt in biblatex die Möglichkeit, nach entry type, Kapitel und Schlagwort differenzierte Teilbibliographien erstellen. Geht das auch in Abhängigkeit von der .bib-Datei oder muß ich jetzt alle meine Einträge in den verschiedenen .bib-Dateien nachträglich mit unterschiedlichen Schlagworten versehen?

  5. Kann ich für verschiedene Teilbibliographien im selben Dokument auch unterschiedliche Bibliographiestile verwenden?


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u_fischer
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Re: Wechsel von Jurabib auf biblatex: Offene Fragen

Beitrag von u_fischer »

wenn du umsteigen willst, würde ich als erstes empfehlen, ein aktuelles texsystem zu installieren.
Und danach erstmal etwas testen und biblatex kennenlernen.

1, 2: ja.

3: du kannst eigene Typen erstellen.

4: Du kannst mit einer Source map und \perdatasource keywords verteilen und dann danach filtern

z.B.
https://tex.stackexchange.com/questions/557555

https://tex.stackexchange.com/a/495196/2388

5: In Maßen, aber das würde ich nicht als erstes anpacken. Das verlangt schon Übung.


MoeWe
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Re: Wechsel von Jurabib auf biblatex: Offene Fragen

Beitrag von MoeWe »

Ulrike hat zwar auf ganzer Linie recht, aber vielleicht sind ein paar zusätzliche Details ja ganz hilfreich.

  1. Ja, man kann ein "ebd."/"ibidem" unterdrücken. Wie genau das bei Dir am besten geht, wird von den genauen Umständen abhängen. Es gibt zum Beispiel \citereset um sämtliches tracking zurückzusetzen. Es gibt aber auch \mancite, das biblatex sagt, dass Du ein manuelles Zitat eingefügt hast, und daher Dinge wie "ebd." unterdrückt. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, einen Befehl zu bauen, der (im Gegensatz zu \citereset) nur das "ibidem"/"ebd."-Tracking zurücksetzt. Je nach Anwendungsfall kann es da aber bessere ("automatischere") Methoden geben.

  2. Klar. Nutze am Satzanfang Befehle mit großem Anfangsbuchstaben und sonst die mit kleinem Anfangsbuchstaben. Also \Autocite/\autocite, \Parencite/\parencite etc. (\footcite gibt es nicht als \Footcite, da am Anfang einer Fußnote eh groß geschrieben wird.) Was biblatex aber nicht kann, ist Satzanfänge automatisch zu erkennen und dann automatisch groß zu schreiben. (Aber ich glaub, dass kann jurabib auch nicht. Wenn schon, dann sehe ich mir den Code gern an und schau, ob man den für biblatex klauen kann.)

  3. Eine der Ideen von biblatex ist es, dass es mehr oder weniger einfach möglich sein soll, neue Typen und Felder zu definieren, die es im Standardmodell nicht gibt. Dazu definiert man in der .bbx-Datei (oder der Präambel) in der Tat einen \DeclareBibliographyDriver. Ferner muss man den neuen Typen auch in einer .dbx-Datei bei biblatex anmelden. Ich hab das bei TeX.SX mal für ein Beispiel komplett durchexerziert https://tex.stackexchange.com/q/175776/35864. Es gibt aber schon den Typen @inreference, der wäre genau für Lexikonartikel da. Du kannst @lexart auch mit einer Biber Sourcemap zu @inreference mappen lassen.

  4. Die Idee ist meiner Meinung nach zwar, dass die .bib-Datei bei der Kategorisierung nur eine untergeordnete Rolle spielen sollte, aber da es für viele Leute offenbar angenehmer ist, ihre Verzeichnisse nach .bib-Dateien aufzuteilen, gibt es auch da Möglichkeiten. Die Idee ist, keywords automatisch mit einer Biber Sourcemap zu erstellen. Siehe z.B. https://tex.stackexchange.com/q/35279/35864

  5. Jein. Du musst Dich beim Laden eigentlich für einen Stil entscheiden. Es ist aber durchaus möglich, im Nachhinein so viele Dinge umzudefinieren, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, unterschiedliche Stile zu haben. Aber wie schwierig (und sinnvoll) das ist, hängt vom konkreten Fall ab. Es geht soetwas wie https://tex.stackexchange.com/q/10104/35864, https://tex.stackexchange.com/q/174229/35864 oder https://tex.stackexchange.com/q/299064/35864. Da muss man aber meiner Meinung nach sehr aufpassen, dass das man an alles denkt; gerade wenn unterschiedliche Bibliographiestile auch unterschiedliche Zitationsstile nach sich ziehen.


discipulus
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Re: Wechsel von Jurabib auf biblatex: Offene Fragen

Beitrag von discipulus »

Besten Dank für die Antworten, das hilft mir schon sehr weiter.


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