neueste Bibtex Einträge als Fragezeichen im Text

Erstellung eines Literaturverzeichnisses mit BibTeX, Biber, BibLaTeX und Co.


MoeWe
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Re: neueste Bibtex Einträge als Fragezeichen im Text

Beitrag von MoeWe »

Gast hat geschrieben:
So 20. Dez 2020, 15:37

Wow, hab selten so viele Kommentare über die Frageformen rumgeiern sehen. Bin nach dem Lesen des Threads noch immer nicht schlauer. (Hab das gleiche Problem wie OP)

Ich kann Deinen Unmut, die Antwort für Dein Problem hier nicht gefunden zu haben, verstehen, bin allerdings der Meinung, dass hier durchaus nicht rumgeeiert wurde, sondern aufrichtig versucht wurde, zu helfen. (Ich sollte an dieser Stelle wahrscheinlich sagen, dass ich, obwohl ich es nicht mehr nachprüfen kann, davon ausgehe, dass ein paar der Beiträge hier, aber nicht alle, von mir stammen.)

Das Ding bei Problemen wie diesem ist, dass das Lagebild anfangs oft etwas undifferenziert ist. Für Probleme mit Zitaten und dem Literaturverzeichnis gibt es eine ganze Latte an möglichen Ursachen. Selbst für das Symptom *einige Einträge werden im Literaturverzeichnis und Zitaten korrekt angezeigt, andere nicht* kann eine Reihe unterschiedlicher Dinge verantwortlich sein.

Grundsätzlich würde ich zunächst prüfen, ob der richtige LaTeX-Code für die Erstellung des Literaturverzeichnis und die Zitate verwendet wurde, und ob klar ist, dass nur zitierte Werke im Literaturverzeichnis auftauchen. Der Code für das Literaturverzeichnis war im ersten Beitrag sichtbar und sah soweit in Ordnung aus. Es ist zwar durchaus möglich, dass nicht gezeigter Code (allen voran MScThesis.cls) gewisse (problematische) Änderungen anstellen. Da aber Zitate grundsätzlich funktionieren, wäre davon auszugehen, dass das mit geringer Wahrscheinlichkeit der Grund für die Probleme ist - auszuschließen ist es nicht. Code für Zitate ist im ersten Beitrag nirgends sichtbar, da aber wie bereits erwähnt andere Zitate funktionieren, würde ich wieder davon ausgehen, dass höchstwahrscheinlich auch hier die Dinge in Ordnung sind. Garantiert ist das aber nicht: Es kann immer sein, dass bei den zuletzt hinzugefügten Zitaten konsequent Syntaxfehler in \cite-Befehlen (z.B. falsche Klammern) oder Tippfehler im *entry key* gemacht wurden.

Auch die .bib-Einträge können Fehlerquellen sein. Im ersten Beitrag war beispielhaft ein Eintrag gezeigt. Der war in Ordnung, aber grundsätzlich könnte es sein, dass ein anderer nicht gezeigter Eintrag dafür sorgt, dass es Probleme gibt. (Gerade vergessene Klammern und Kommas können im schlechtesten Fall andere Teile der .bib-Datei verschlucken.)

Dann würde ich nachsehen, ob der Kompilierzyklus richtig ausgeführt wurde. Dem ersten Beitrag konnte man entnehmen, dass bekannt ist, dass LaTeX, BibTeX, LaTeX, LaTeX ausgeführt werden müssen. Es war allerdings nicht klar zu erkennen, ob der Kompilierzyklus garantiert so per Hand angestoßen wird oder eventuell von einem externen Tool automatisch (eventuell nur mit einer bestimmten Heuristik).

Probleme bei dem BibTeX-Lauf werden in der .blg-Datei vermeldet. Ein Blick darauf kann uns also sagen, ob BibTeX ausgeführt wurde, ob es bestimmte Einträge sucht und findet und ob die Einträge soweit lesbar sind.

Daher Punkt eins im zweiten Beitrag: .blg-Datei finden und nach Meldungen von BibTeX suchen. Wenn das nicht weiterhilft, temporäre Dateien löschen und neu kompilieren. Das Löschen der temporären Dateien hat zwei Vorteile, zum einen kann es die Heuristiken gewisser Tools dazu verleiten, einen vollständigen Kompilierzyklus durchzuführen, zum anderen sorgt es dafür, dass schon behobene Fehler nicht unglücklicherweise in den temporären Dateien fortbestehen und so für Probleme sorgen. Gleichzeitig ist der Hinweis, dass der gezeigte Code nicht genügen Informationen enthält, um abschließend ein sicheres Urteil zu treffen, da große und möglich relevante Codeblöcke nicht mitgeliefert wurden und der Code so insbesondere für uns nicht kompilierbar ist, nur fair.

Nach einem ersten kurzen Versuch, der nicht ganz glückte, gibt es dann Code, der prinzipiell von der äußeren Form schon recht nah an ein Minimalbeispiel herankommt. Wir wissen noch immer nicht, wie die \documentclass eigentlich aussieht, da die eine Nichtstandardversion ist, die es nicht auf CTAN gibt, aber - viel wichtiger - wir bekommen die .bib-Datei zu sehen (danach wurde explizit gefragt).

Eine Reihe von Fehlern mit der .bib-Datei wurde dann erklärt. Zuletzt gab es noch den Hinweis, dass der gezeigte Code noch immer kein echtes Minimalbeispiel ist, das wir auf unseren Rechnern auch laufen lassen können. Das bedeutet im Zweifelsfall, dass wir den Code nur durch Lesen nach Problemen durchsuchen können oder nur durch Raten lauffähig machen können. Es ist also nicht garantiert, dass unsere Hinweise wirklich zutreffen, da nicht gezeigter Code durchaus das Potential hat, durch merkwürdige Wechselwirkungen im Problem mitzumischen. (Siehe z.B. https://tex.meta.stackexchange.com/q/6255/35864)

Ob das alles das Problem gelöst hat, weiß ich leider nicht. Einige dringend zu behebene Probleme sind jedenfalls aufgezeigt worden. Meiner Meinung nach ist auch nicht viel mehr als nötig geeiert worden: In jedem neuen Beitrag der Fragestellerin/des Fragestellers sind neue Informationen mitgeteilt worden, die ohne Hinweise dazu sonst wohl nicht gekommen wären.

Dass Du, lieber Gast, mit den Beiträgen hier bei Deinem Problem nicht weitergekommen bist, ist zwar schade, liegt aber in der Natur der Sache. Das ursprüngliche Lagebild war einfach zu undifferenziert und trifft auf zu viele Probleme mit zu vielen Ursachen zu. In Foren wie diesen hier sehe ich die Aufgabe als Helfer darin, möglichst effektiv individuelle Hilfe zu leisten. Da liste ich dann also nicht alle prinzipiell möglichen Fehlerquellen langwierig auf, denn das kostet sowohl meine Zeit fürs Schreiben als auch die Zeit der Fragestellerin für Lesen und Ausprobieren. Stattdessen versuche ich möglichst schnell herauszufinden, wo das Problem denn liegt, dafür brauch es gerade anfangs und bei zu wenig Informationen ein wenig Gerate. Die Basis für mein Gerate erläutere ich dann nicht im Detail, denn das interessiert die wenigsten. (Zumindest gehe ich davon aus. Auf Nachfrage bin ich aber immer gern bereit, mehr zu verraten.) Wenn Du auf der Suche nach Hilfe zur Selbsthilfe bist, dann sind vielleicht Q&A-Seiten wie https://texwelt.de/ oder https://tex.stackexchange.com/ eher für Dich, da dort Antworten mehr dafür geschrieben werden, späteren Lesern möglichst gut als eine in sich geschlossene Informationsquelle weiterzuhelfen. Das macht das Format dort aber wesentlich einfacher als hier. Du findest dort zum Beispiel wunderbar ausgearbeitete Beiträge wie https://tex.stackexchange.com/q/63852/35864. Da sieht man gleich, dass der Anspruch an die Antwort dort ein ganz anderer war als hier.

Wenn Du also Dein Problem auch nach der Lektüre der Beiträge hier nicht lösen konntest, dann sieh Dich vielleicht noch ein wenig bei https://texwelt.de/ oder https://tex.stackexchange.com/ um und stell dann, wenn sich nichts ergibt, hier einfach eine eigene neue Frage (am besten mit einem ordentlichen Minimalbeispiel).

Was mir ein wenig gegen den Strich geht, ist die Unterstellung oder vielleicht besser das Missverständnis, bei der Bitte nach einem Minimalbeispiel handele es sich nur um eine reine Schikane der (Frage)Form wegen (Passierschein A38). Das ist falsch: Minimalbeispiele sind fast immer der schnellste und beste und häufig der einzige Weg, LaTeX-Fragen vernünftig und fachkundig zu beiderseitiger Zufriedenstellung zu beantworten. Ich habe nichts davon, einen willkürlichen Menschen im Internet darum zu bitten, die Frage durch ein Minimalbeispiel etwas klarer zu machen. Wovon ich etwas habe, ist ein interessantes Problem mit LaTeX zu lösen und das Gefühl jemandem bei einem für die Person vielleicht sogar wichtigen Projekt weitergeholfen zu haben und die Person damit im besten Fall sogar verleiten zu können, LaTeX gern weiterzubenutzen.


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