Sinn der beamer-Klasse?

Eure Spielwiese.
texor

Sinn der beamer-Klasse?

Beitrag von texor »

Hallo!

Bitte lasst euch von dem etwas provokativen Titel nicht abschrecken :)

Ich nutze seit einigen Jahren Latex zur Erstellung von wissenschaftlichen Dokumenten. Vor kurzem wollte ich nun eine Präsentation mit der beamer-Klasse erstellen. Dabei ist mir aber aufgefallen, wie "suboptimal" das alles ist (subjektive Meinung!!!). Daher möchte ich hier mal die Fachleute fragen, weshalb so viele auf die beamer-Klasse abfahren?

Ich persönlich finde das Erstellen von Präsentationen mit beamer sehr unhandlich und zeitintensiv - Zeit, die ich sinnvoller in den Inhalt investiere. Zwar gibt es diverse Templates, aber die meisten beamer-Präsentationen, die ich bisher gesehen habe, sehen sich sehr sehr ähnlich. Ein Anpassen an persönliche Bedürfnisse oder an corporate design Richtlinien ist eher was für den fortgeschrittenen Anwender und, soweit ich das überblicke, auch für diesen noch sehr aufwendig. Selbst wenn man es mal zu einem fertigen Template geschafft hat, welches nur noch mit Inhalt zu füllen ist, ist dies dann nur bei simplen Stichpunkten praktikabel.

Das Positionieren von Bildern, Pfeilen und optischen Verknüpfungen ist in einem WYSIWYG Editor (PP, Keynote, etc.) einfacher und schneller möglich. Sogar eine große Stärke von Latex, das Setzen von Formeln, ist dank z.B. Latexit und Drag&Drop kein wirkliches Argument für die beamer-Klasse. Des Weiteren kann das Kompilieren von großen Dokumenten gerne mal etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Auch die Tatsache, dass Latex open source und Plattformunabhängig ist, reicht meiner Meinung nach nicht aus, da besonders im wissenschaftlichen Umfeld Software wie Powerpoint oder Keynote, dank Subventionen, meist sowieso verfügbar sind. Auch kann jedes dieser Programme die Präsentation als pdf exportieren.

Ich will hier die Verwendung von beamer nicht schlecht reden, aber ich verstehe schlicht nicht, weshalb so viele Anwender darauf schwören - kann mir hier jemand etwas auf die Sprünge helfen?

Danke!

PS: es geht auch nicht um animationsgeschwängerte klicki-bunti-Präsentationen sondern durchaus um schlichte, professionelle Präsentationen.

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Johannes_B
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Beitrag von Johannes_B »

Wenn du nach Präsentationen mit LaTeX googlest, dann kommt halt beamer raus. de facto Standard. Und da heute blind auf google vertraut wird, und keiner irgendwas hitnerfragt...


Brauchst du weder pause, noch overlays, dann brauchst du eigentlich auch kein beamer.

</meineMeinung>
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Gast

Beitrag von Gast »

Das Schöne bei TeX ist doch, dass es nicht nur die allein selig machende Lösung gibt, sondern für jeden Geschmack etwas geboten wird. Das beginnt schon mit dem Format. Wer LaTeX nicht mag, findet mit ConTeXt eine leistungsfähige Alternativ mit einem ganz anderen Ansatz. Wem die Programmierebene von TeX nicht mag, findet mit LuaTeX eine Alternative. Wer die Implementierungsebene von LaTeX nicht mag, findet mit l3 ein weitgehend anderes Konzept. Wer eine Klasse nicht mag, findet eine ganze Reihe von Klassen und Paketen für Präsentationen. Es gab auch min. einmal einen PracTeX-Artikel zu Präsentationen basierend auf der (nahezu beliebigen) Lieblingsklasse.

Ich bin übrigens weder ein Fan von Präsentationen, bei denen sich die Folien zeilenweise aufbauen, noch ein Fan von verspielten Präsentationen mit tollen vom Inhalt ablenkenden und ihn oftmals störenden Hintergründen womöglich sogar mit Animation oder Filmchen. Man kann alles sinnvoll einsetzen. Oft werden Dinge aber nur eingesetzt weil es jemand kann.

Wie es mit der Verfügbarkeit von Powerpoint und Co im öffentlichen Bereich bestellt ist, habe ich inzwischen an verschiedenen Schulen erlebt. Besonders krass war es an der meines Sohnes. Da gab es nur ein ältere Version, die nie mit aktuellen Filtern versehen wurde. Dokumente von aktuellen Powerpoint-Versionen gingen nicht. Dokumente von älteren Powerpoint-Versionen wurden oft mit Fehlern dargestellt. Beim Export aus Impress galt das ebenso. Hat man auf dem USB-Stick den aktuellen PowerPoint Viewer mit gebracht, hat der Grundeinstellungen der installierten Version verändert, so dass der nächste dann Probleme mit dem installierten PowerPoint bekam. Beim PDF-Export musste man übrigens darauf achten, dass man max. PDF 1.5 exportierte, weil auch der AdobeReader total veraltet war. Das beste war aber, dass auf drei verschiedenen Rechnern drei verschiedene Softwarestände verfügbar waren. Mein Sohn hat dann ab der 9. Klasse seinen Mitschülern auf seinem Notebook eine definierte Umgebung bereit gestellt und dieses Notebook immer dann mitgenommen, wenn jemand ohne eigenes Notebook einen Vortrag zu präsentieren hatte.

Achja: Ich finde es nicht komfortabel Pfeile von Hand zu ziehen. Ich sehe auch oft in Vorträgen, dass Leute mit so etwas Probleme haben. Da sind keine zwei Pfeile in gleicher Weise angeordnet. Mal sind die Abstände zu den mit Pfeilen verbundenen Elementen erkennbar unterschiedlich, mal ist die Ausrichtung der Enden unterschiedlich. Dass Bilder gerne dort hingequetscht werden, wo sie (scheinbar) noch hinpassen, ist ein anderes Thema. Programme, bei denen man mal eben mit wenigen Klicks den Konstruktionsrahmen verändern kann, laden aber zu derartigen Designfehlern verm. eher ein. Auch so gesehen: Gut, dass es diverse Möglichkeiten gibt von programmierten Präsentationen bis hin zu rein mit der Maus zusammengeklickten. Während das Ergebnis zumindest teilweise objektiv beurteilt werden kann, ist die Eingabe doch sehr von individuellen Vorlieben abhängig. Es nützt da auch nichts, wenn eine Methode schneller zum Ziel führt. Sie muss auch ein gutes Gefühl hinterlassen.

texor

Beitrag von texor »

@ Johannes

es geht mir ja um die Verwendung von Latex für Präsentationen im Allgemeinen. Ok, der Titel bezieht sich explizit auf die beamer-Klasse, aber nur weil ich es nicht besser wusste.


@ Gast

Naja, in Schulen mag das durchaus stimmen, aber ich dachte eher an wissenschaftliche Präsentationen und an Unis/Forschungseinrichtungen/etc. ist das im Normalfall kein Problem (soweit ich das bisher erlebt habe).


Kennt hier jemand ein ausführlicheres Tutorial/Buch, welches das Erstellen vono eigenen Themes behandelt. Das wäre nämlich das erste was ich bräuchte, noch bevor ich mir über den Inhalt gedanken machen könnte (corporate design halt :roll: ).

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u_fischer
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Beitrag von u_fischer »

Der interne Code von beamer ist etwas seltsam, und das Erstellen eines Designs kann je nach Anforderung schon etwas mühselig sein.

Aber wenn man das Design hat, ist das Erstellen von Präsentationen eigentlich angenehm. Die Wiederverwertung einzelner Frames ist einfach, weil man sie einfach kopieren kann. Man findet viele Hilfen im Internet.

Das Erstellen von Bilder ist manchmal langsamer, aber dafür ist die Qualität besser (auch weil man eher auf überflüssigen Quatsch verzichtet), die Ausrichtung von Elementen kann genauer gesteuert werden -- und wenn es wirklich mal schnell gehen soll, kann man ja immer noch irgendein Grafikprogramm nehmen und dann das Bild einfach einbinden.

Es gibt ein Buch von Herbert Voß http://www.dante.de/index/Literatur/Pra ... ionen.html, aber ich habe es nicht.

texor

Beitrag von texor »

Also ich habe noch etwas weiter gesucht und mittlerweile glaube ich, dass nur die erste Präsentation PITA ist.

Leider gibt es so gut wir keine brauchbaren Anfängerinformationen, wie man ein CD erstellt. Auch in dem, von dir genannten Buch, steht für einen beamer-Anfänger nicht genug drin.

Als weiteres Problem kommt hinzu, dass man mit Latex viel funktionierende zusammenschustern kann. Leider kann ich nicht einschätzen was nun brauchbarer Code und was Kot ist.

Gibt es da vllt noch andere Quellen?

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u_fischer
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Beitrag von u_fischer »

texor hat geschrieben: Leider gibt es so gut wir keine brauchbaren Anfängerinformationen, wie man ein CD erstellt.
Es ist ja auch nichts für Anfänger. http://tex.stackexchange.com/questions/ ... om-scratch

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