Shorttitle im Text und Title im Literaturverzeichnis

Erstellung eines Literaturverzeichnisses mit BibTeX, Biber, BibLaTeX und Co.
Eduard
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Shorttitle im Text und Title im Literaturverzeichnis

Beitrag von Eduard »

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\documentclass[12pt]{scrartcl}
\usepackage[maxcitenames=5, citestyle=authoryear-ibid, style=authoryear, autocite=footnote, maxbibnames=99]{biblatex}
\usepackage[english,main=ngerman]{babel} 
\usepackage[babel]{csquotes} 
\usepackage[T1]{fontenc} 

\usepackage{filecontents}
\begin{filecontents}{\jobname.bib}
@book{Schwab17, 
   Title = {{Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch}},
   Shorttitle = {MüKo/BGB},
   Address = {München}, 
   Publisher = {C.H.Beck}, 
   Year = {2017} 
}
\end{filecontents} 

\addbibresource{\jobname.bib} 

\begin{document} 

\citename{Schwab17}{Shorttitle}

\citefield{Schwab17}{Shorttitle}

\citetitle{Schwab17}

\printbibliography
\end{document}
Wie bekomme ich es hin, dass der Titel auch im Literaturverzeichnis als Titel erscheint und nur der Shorttitle im Fließtext? Über Hilfe wäre ich sehr dankbar, da das Problem wirklich stört. Danke!

Bartman
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Beitrag von Bartman »

Gemäß der Dokumetation ist das Datenfeld als zweites Argument von \citename nicht geeignet.

Das zweite Argument von \citefield wird offenbar nur mit kleinen Buchstaben erkannt.

\citetitle müsste mit diesem Beispiel den gewünschten Kurztitel ausgeben.

MoeWe
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Beitrag von MoeWe »

Es ist in der Tat ein bisschen gemein, dass Shorttitle hier nicht funktioniert. Stattdessen geht \citefield{Schwab17}{shorttitle}. (\citename{Schwab17}{Shorttitle} wird nie funktionieren, egal in welcher Groß- und Kleinschreibung, da shorttitle kein Namensfeld ist.)

Ein verwandtes Problem wird in https://github.com/plk/biber/issues/278 diskutiert.

Hier ist das Problem, dass Biber/BibTeX zwar Groß- und Kleinschreibung bei Feldnamen ignorieren (du also in der .bib-Datei shorttitle, Shorttitle oder ShortTitle schreiben), die LaTeX-Seite aber case sensitive ist (\foo und \Foo sind zwei unterschiedliche Makros). Intern sind für die LaTeX-Seite alle Felder nur mit Kleinbuchstaben benannt, daher geht nur shorttitle, wenn Du \citefield nutzt.

Wie Bartman hätte ich von der Beschreibung Deines Problems erwartet, dass \citetitle genau das tut, was Du möchtest. Vielleicht beschreibst Du noch einmal genauer, was Du gerne im Zitat und im Literaturverzeichnis sehen möchtest und was Du zur Zeit bekommst.

Es sei eingewendet, dass es etwas unschön ist, mit einem Befehl wie \citetitle zu zitieren. Eigentlich wäre es hübscher, die Zitierbefehle \cite und Co. so umzubauen, dass \autocite{Schwab17} die gewünschte Ausgabe gibt.

Eduard
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Beitrag von Eduard »

Ich möchte, dass ich in der Fußnote folgendermaßen zitieren kann:

Autor, in: MüKo/BGB, ......

Im Literaturverzeichnis erscheint MüKo/BGB, wenn ich den Shorttitle benutze. Ich möchte aber, dass im Literaturverzeichnis "Münchener Kommentar ...." steht, und zwar "ganz vorne", also da, wo normalerweise der Autor steht.

MoeWe
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Beitrag von MoeWe »

Ah ja, juristische Zitate sind leider keine Stärke den Standard-biblatex-Stile. Ich hoffe schon seit Jahren, dass ein interessierter Jurist sich mal an die Aufgabe wagt, einen modernen biblatex-Stil zu implementieren und auch bereit ist, den für längere Zeit auch zu pflegen. Ich wäre im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne bereit zu helfen.

Als schnelle Lösung würde ich shorthand statt shorttitle vorschlagen. Das kommt den Vorstellungen schon deutlich näher

Code: Alles auswählen

\documentclass[12pt]{scrartcl}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[english,main=ngerman]{babel}
\usepackage[babel]{csquotes}
\usepackage[style=authoryear-ibid,
  maxcitenames=5, maxbibnames=99,
  autocite=footnote, ]{biblatex}

\usepackage{filecontents}
\begin{filecontents}{\jobname.bib}
@book{Schwab17,
  Title     = {Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch},
  shorthand = {MüKo/BGB},
  Address   = {München},
  Publisher = {C.H.Beck},
  Year      = {2017},
}
\end{filecontents}
\addbibresource{\jobname.bib}

\begin{document}
Lorem\autocite{Schwab17}

\printbibliography
\end{document}

saputello
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Off-Topic: Eintrag um Herausgeber ergänzt

Beitrag von saputello »

Man könnte bei den Münchener Kommentaren zum BGB übrigens auch noch die vier Herausgeber mit angeben:

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@book{Schwab17,
  editor = {Säcker, Franz Jürgen and Rixecker, Roland
            and Oetker, Hartmut and Limperg, Bettina},
  Title = {{Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch}},
  Shorttitle = {MüKo/BGB},
  Address = {München},
  Publisher = {C.H.Beck},
  Year = {2017}
}
MoeWe hat geschrieben:Ich hoffe schon seit Jahren, dass ein interessierter Jurist sich mal an die Aufgabe wagt, einen modernen biblatex-Stil zu implementieren und auch bereit ist, den für längere Zeit auch zu pflegen. Ich wäre im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne bereit zu helfen.
Nach meiner Erfahrung müsste das eher umgekehrt gehen: Man müsste einen Juristen motivieren zu erklären, was er denn ganz genau haben muss, und das dann umsetzen. Das kann durchaus mehrere Arbeitsrunden mit sich bringen. Danach wird der Jurist, der das wirklich verwendet, dann schon ein Auge darauf haben, dass es funktionsfähig bleibt bzw. sich melden, wenn es das aus irgendwelchen Gründen nicht ist.

Eduard
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Beitrag von Eduard »

Danke für die Hilfe! Mit shorthand hat es geklappt. Das "Problem" besteht nun darin, dass durch \autocite eine Klammer (MüKo/BGB) bekomme, die ich aber gerne loswerden will.

Eduard
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Re: Off-Topic: Eintrag um Herausgeber ergänzt

Beitrag von Eduard »

saputello hat geschrieben:Man könnte bei den Münchener Kommentaren zum BGB übrigens auch noch die vier Herausgeber mit angeben:

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@book{Schwab17,
  editor = {Säcker, Franz Jürgen and Rixecker, Roland
            and Oetker, Hartmut and Limperg, Bettina},
  Title = {{Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch}},
  Shorttitle = {MüKo/BGB},
  Address = {München},
  Publisher = {C.H.Beck},
  Year = {2017}
}
MoeWe hat geschrieben:Ich hoffe schon seit Jahren, dass ein interessierter Jurist sich mal an die Aufgabe wagt, einen modernen biblatex-Stil zu implementieren und auch bereit ist, den für längere Zeit auch zu pflegen. Ich wäre im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne bereit zu helfen.
Nach meiner Erfahrung müsste das eher umgekehrt gehen: Man müsste einen Juristen motivieren zu erklären, was er denn ganz genau haben muss, und das dann umsetzen. Das kann durchaus mehrere Arbeitsrunden mit sich bringen. Danach wird der Jurist, der das wirklich verwendet, dann schon ein Auge darauf haben, dass es funktionsfähig bleibt bzw. sich melden, wenn es das aus irgendwelchen Gründen nicht ist.
Es gibt Kommentar wo die Herausgeber nicht mit zitiert werden, der MüKo ist so ein Beispiel.

Die Zitierweise bei Juristen ist doch sehr einheitlich, so dass es eher einen LaTeX-Spezialisten braucht, der sich die vorhandenen Zitationsspiele anschaut, ähnlich wie bei MLA, und diese dann technisch umsetzt. Ich habe mittlerweile einigen Arbeiten mit LaTeX geschrieben, aber ich muss dann von der Standardzitation abweichen, um das in LaTeX schreiben zu können.

saputello
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Off-Topic: Wenn zwei sich finden --> biblatex-jura?

Beitrag von saputello »

Eduard hat geschrieben:Es gibt Kommentar wo die Herausgeber nicht mit zitiert werden, der MüKo ist so ein Beispiel.
Juristen gönnen ihren fleißigen Kollegen aber auch gar nichts. :wink:
Nein, nein, ist nicht ernst gemeint. Ich weiß aus Erfahrung mit der TeXnischen Zusammenarbeit mit Juristen, dass die eben manchmal etwas eigen sind. Umgekehrt sehen die das aber sicher genauso. Wobei ich min. einen Juristen sogar überzeugen konnte, dass mehr als sechs Gliederungsebenen, die er ursprünglich haben wollte (komplett nummeriert) am Ende vielleicht doch nicht so ganz sinnvoll sind. Am Ende hat er die Arbeit mit vier nummerierten und einer nicht nummerierten Ebene verfasst und fand sie so sogar übersichtlicher und damit besser.

Aber ich schweife ab …

Wie wäre es denn, wenn ihr beiden Eduard und MoeWe das einmal zusammen austüfteln würdet? Ich weiß natürlich, dass MoeWe ohnehin schon viel um die Ohren hat. Aber, wenn ich sehe, wie oft inzwischen Juristen in unterschiedlichen Foren Fragen zum Literaturverzeichnis haben, würde es sich vielleicht lohnen.

MoeWe
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Re: Off-Topic: Wenn zwei sich finden --> biblatex-jura?

Beitrag von MoeWe »

Eduard hat geschrieben:Die Zitierweise bei Juristen ist doch sehr einheitlich, so dass es eher einen LaTeX-Spezialisten braucht, der sich die vorhandenen Zitationsspiele anschaut, ähnlich wie bei MLA, und diese dann technisch umsetzt. Ich habe mittlerweile einigen Arbeiten mit LaTeX geschrieben, aber ich muss dann von der Standardzitation abweichen, um das in LaTeX schreiben zu können.
Das ist interessant. Mir als Außenstehenden erschien es eher so, dass es da durchaus einiges an Variabilität gibt, da viele Institute und Lehrstühle eigene Vorgaben herausgeben.
saputello hat geschrieben:Nach meiner Erfahrung müsste das eher umgekehrt gehen: Man müsste einen Juristen motivieren zu erklären, was er denn ganz genau haben muss, und das dann umsetzen. Das kann durchaus mehrere Arbeitsrunden mit sich bringen. Danach wird der Jurist, der das wirklich verwendet, dann schon ein Auge darauf haben, dass es funktionsfähig bleibt bzw. sich melden, wenn es das aus irgendwelchen Gründen nicht ist.
Mhh, ja ich habe eben etwas blauäugig gehofft, bei einem solchen Projekt eher in beratender Kapazität dabei sein zu können und nicht als (Co-/Haupt-/alleiniger technischer) Entwickler.

Wenn ich selbst als Entwickler für das Projekt verantwortlich bin, habe ich gewisse Vorstellungen, denen ich hier wohl nicht gerecht werden kann. Zunächst würde ich einen Stil bauen wollen, der möglichst flexibel an die Vorgaben unterschiedlicher Lehrstühle und Verlage angepasst werden kann, da ich selbst den Stil ja nicht nutze und damit keinen natürlichen Referenzstil habe (in einer Beraterrolle sähe das anders aus, da gäbe es wahrscheinlich eine Referenz). Die Tatsache, dass ich selbst für den Stil keine Anwendung hätte, verhindert auch Dogfooding (ich habe hier schon bei dem "adoptierten" biblatex-trad Probleme). Ferner fehlt mir der fachliche Überblick, um bestimmte Fragen zur Entwicklungsrichtung einordnen oder bewerten zu können. Gerade weil mir die persönliche Komponente fehlt, habe ich außerdem die Befürchtung, dass ich bei der Abwägung zwischen meinen ästhetischen Vorstellungen der Implementation und der gewünschten Ausgabe ungünstige Entscheidungen treffe. Das bemerke ich, weil ich schon seit einiger Zeit vorhabe, einen Stil zu implementieren, der den offenbar vielfach an deutschen Unis geforderten ISO690-Vorgaben (von denen ich in zumindest in der häufig anwendeten Leseweise kein Fan bin) etwas näher kommt als die Standardstile, aber dennoch flexibel und mit den Standardstilen kompatibel bleibt (das bekannte biblatex-iso690 folgt einer strengeren Interpretation der tschechischen Übersetzung, ist über die Jahre organisch gewachsen und daher nicht mehr überall auf der Höhe der Zeit): Wenn ich hier an eine Stelle komme, bei der ich glaube, zu viel Aufwand betreiben zu müssen, um den Vorgaben gerecht zu werden, höre ich erstmal auf und hoffe, dass mir etwas Besseres einfällt, daher ist da bis jetzt auch nichts draus geworden. Besonders wenn das Projekt auf eine Arbeitsweise herausläuft bei der ich die von einem fachlich kundigen Entwickler dargelegten Funktionen implementiere, habe ich ein bisschen Angst, dass ich dann als technischer Entwickler mit einem Produkt, dessen Anwendungsbereich ich nicht verstehe und bewerten kann, sitzen bleibe, wenn der fachliche Entwickler die Interesse verliert oder aus anderen Gründen nicht mehr an der Entwicklung teilnehmen kann.

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